Angst – Erfolg – Umgang

Wer von Ihnen hat schon einmal etwas von Methatesiophobie gehört? Methatesiophobie, besser bekannt als Angst vor Erfolg ist der kleine Bruder der Angst vor Versagen, jedoch weiter verbreitet, als man manchmal zu denken vermag.

Angst vor Erfolg und der Umgang damit

Mit dem Erfolg kommt zwangsläufig auch Veränderung. Je größer die Veränderung, desto größer die Chance, diese Veränderung mit Angst in Verbindung zu bringen. Erfolg im Golf bedeutet ein besseres Handicap, eventuell ein Turniersieg oder die Aufnahme in eine Mannschaft. Wie Erfolg im Einzelnen aussieht, ist unterschiedlich. Wer Erfolg hat, wird zunächst einmal beklatscht und genießt Anerkennung, wenn auch eventuell nur im Kleinen. Über Erfolg und die damit verbundene Anerkennung, auch wenn diese noch so klein ist, freut sich jeder Mensch. Doch der Erfolg frisst seine eigenen Kinder. Auf eine gute Leistung im Turnier folgt ein neues Handicap, eventuell eine niedrigere Spielvorgabe und ein soziales Umfeld, welches erwartet, dass an den neuen Erfolg angeknüpft wird. Bestimmt hatten Sie schon einmal eine Runde, bei der Sie super unterwegs waren, dann anfingen Ihre Leistung bewusst zu erfassen und schließlich zugucken mussten, wie Ihr Score auf den letzten Löchern den Bach hinunter ging. Vielleicht haben Sie sogar angefangen Ihren Score zusammen zu zählen und Hochrechnungen anzustellen. Man sollte meinen, dass auf ein gelungenes Turnier nicht unbedingt eine extrem hohe Erwartungshaltung folgt, doch es gibt immer wieder Fälle bei denen ein Spieler auf den letzten Löchern einbricht.

Quelle: dieEventfotografen.de

Gerade wenn ein Spieler auf eine persönliche Bestleistung zusteuert, scheint es auf der Zielgeraden schwer zu werden. Eine Komfortzone gibt es nicht nur im Leben außerhalb des Golfplatzes. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wer regelmäßig zirka dasselbe Ergebnis spielt, der gewöhnt sich schnell an das, was er hat und wird bei Veränderungen gerne nervös. Einmal erfolgreich, will man nicht unbedingt wieder zurück zu alten Ergebnissen. Den Erfolg nicht aufrecht halten zu können, im nächsten Turnier ein schlechteres Ergebnis zu spielen und eventuell Gefahr zu laufen, für den eigenen Erfolg als Eintagsfliege oder blindes Huhn, das auch mal ein Korn findet, in der Kritik zu stehen, sind Teile dieser Angst. Gerade Profis wird oft und gerne ein Stempel aufgedrückt, wenn Sie an vergangene Leistungen nicht anknüpfen können.

Martin Kaymer wurde, nachdem er sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand und sich entschied als Nummer 1 der Welt seinen Schwung umzustellen, immer wieder eine Formkrise angedichtet. Danny Willett gewann das diesjährige Masters in beeindruckender Manier, konnte im Laufe der Saison allerdings nicht an den Erfolg anknüpfen. Auch beim Ryder Cup in Minnesota konnte Willett nichts Entscheidendes beisteuern. Er beschrieb sein Debüt beim Kontinentalvergleich in der anschließenden Pressekonferenz als „scheiße“. Die Website des amerikanischen Golf Fernsehsenders Golfchannel veröffentlichte erst kürzlich einen Artikel, in der Willett’s Interview nach einer enttäuschenden Finalrunde bei den Turkish Airlines Open wie folgt zitiert wird:

Um ehrlich zu sein, möchte ich zur Zeit gar nicht hier draußen sein und Golf spielen.

Viel interessanter wie die Tatsache, dass auch Profis mal die Lust verlieren, sind die Leserkommentare unter dem Beitrag. Willett wird zuhauf als Eintagsfliege betitelt. Eine Rückkehr zu alter Form und Stärke wird ihm nicht zugetraut. Dabei ist sein Sieg in Augusta noch kein Jahr alt, Willett ist erst kürzlich 29 Jahre alt geworden und befindet sich damit im besten Alter für Golfer. Vorschnelle Äußerungen findet man jedoch bereits wie Sand am Meer. Vergleicht man die Anzahl aller Profis dieser Welt mit der Anzahl derer, die das Privileg haben, bei einem Major teilzunehmen, so wird schnell klar, dass die Anzahl der Major Teilnehmer sehr klein ist. Noch kleiner ist die Anzahl derer, die ein Major gewonnen haben und geradezu winzig ist die Anzahl derer, denen das wiederholt gelungen ist. Willett wird, wie Kaymer, nach seinem Sieg in Augusta nun jedoch an seinem bisher größten Erfolg gemessen. Wie schwer solch ein Erfolg zu wiederholen ist, wird dabei oft vergessen.

Quelle: dieEventfotografen.de

Dem Amateur muss bewusst sein, dass Erfolge für zukünftiges Wachstum unabdingbar sind. Ohne Erfolge und Wachstum stagnieren wir. Erfolge zeigen uns unser Potential auf, verschieben unsere Grenzen und lassen uns nach mehr streben. Das sorgt für Motivation und Ehrgeiz. Selbstverständlich kann es passieren, dass die Erwartungen nach einem großen Erfolg nicht gänzlich erfüllt werden. Vermeintliche Fehler passieren. Doch wer eine erfolgreiche Saison spielt, wird sich wohl kaum mit einem Ergebnis zufrieden geben, dass er in der vorherigen Saison noch als okay betrachtet hat. Auch vermeintlich schlechte Ergebnisse werden besser und das ist Teil des Wachstums. Apropos Fehler: Denken Sie an eine Situation, in der Sie ohne einen Fehler nichts verändert oder verbessert hätten. Privat oder sportlich. Oft ist es so, dass wir gerade durch vermeintliche Fehler unseren Problemlöseapparat ankurbeln und Veränderungen herbeiführen. Klar, niemand macht gerne freiwillig Fehler. Doch mit Angst vor Fehlern Golf zu spielen, ist genauso kontraproduktiv, wie mit Angst vor Erfolgen zu spielen. Kein Kind lernt das Laufen ohne zunächst mehrmals hinzufallen. Kein Skirennläufer steht beim ersten Mal hundertprozentig sicher auf Skiern, kein Formel 1 Profi hat nicht schon einmal ein Auto abgewürgt und kein Basketballer nicht mindestens so viele Bälle verworfen, wie getroffen. Tatsächlich gibt es ein sehr berühmtes Zitat von Basketballlegende Michael Jordan:

Ich habe in meiner Karriere mehr als 9000 Würfe verworfen. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir der entscheidende Pass zugespielt und ich traf den Wurf nicht. Ich bin immer und immer wieder gescheitert und genau deshalb bin ich erfolgreich.

Das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten gepaart mit einer „Was auch immer kommt, ich werde in irgend einer Art und Weise davon profitieren“- Denkweise ist sehr powervoll. Ein schönes amerikanisches Sprichwort ergänzt: „Trainiere als hättest du noch nie gewonnen und spiele, als hättest du noch nie verloren.“ Nehmen Sie Ihr Herz in die Hand und schöpfen Sie Ihr Potential voll aus!

„Das war ein Gastbeitrag von BelowPar. Wer mehr Beiträge wie diesen erhalten möchten, kann über folgenden Link den Newsletter der Beiden abonnieren: https://belowpar.de/newsletter/.“

Euer Lefty Stephan

2 Kommentare

  1. Das sind genau die Gedankengänge, bzw. die Ansätze, auf die man nicht selber kommt. Zu oft gerät man in „Denkfallen“, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt. Die Zauberworte sind Spass, Entspannung, Freude, Neugier, angemessene Erwartungshaltung. Kontraproduktiv sind Druck, sei es durch sich selber oder Freunde oder „der Profi machts doch aus so einfach“, Frustration und vor allem Stress.
    Sehr hilfreicher Artikel. Vielen Dank !

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