Emotionen ‒ mentaler Treibstoff auf dem Grün

Jeder Schlag beim Golfen wird von Emotionen begleitet. Und bei jedem Turnier spielen Emotionen eine entscheidende Rolle auf dem Platz. Als im vergangenen September das US-Team den Solheim Cup gewann, waren diesem Sieg emotionale Reibereien mit dem Europa-Team vorausgegangen. Es ging im Kern um Nervenstärke und Souveränität. Im Außen schlugen sich die Emotionen in Kraftausdrücken, Tränen und Debatten nieder – und beeinträchtigten die Performance der europäischen Spielerinnen.

Emotionen können in zwei Richtungen wirken

Quelle: antje-heimsoeth.com

Während eines Turniers erleben viele Sportler regelrechte emotionale Berg- und Talfahrten. Negative Gefühle wie Ärger über schlechte Schläge oder Angst vor Versagen rauben Kraft und kosten Energie. Sie verhindern die Entfaltung unseres Potenzials, verderben die Freude am Spiel und werden als belastend erlebt. So sagte Caroline Masson beim Solheim-Cup, sie habe sich nicht gut gefühlt. „Emotionen aktivieren den Menschen. Angst- und Schmerzgefühle z.B. lösen Vermeidungsreaktionen aus, Freude und Spaß haben Zuwendung und ein höheres Aktivationsniveau zur Folge“, sagt Psychologe Prof. Dr. Sigurd Baumann („Psychologie im Sport“, 1993, S. 223).
Die Effekte positiver Emotionen, die als angenehm erlebt werden, haben eine ebensolche Tragweite wie ihr negatives Pendant: Die Freude über einen Trainings- oder Turniererfolg, der Stolz auf die eigene Leistung schenken uns Kraft, fördern Konzentration und Zuversicht, bauen das Selbstvertrauen auf. Die Konzentration aufrecht zu halten, wenn die Emotionen gerade auf Talfahrt gehen, ist hingegen enorm schwer. So sagte Martin Kaymer über den diesjährigen Ryders Cup und die Performance des deutschen Teams: „Als klar war, dass wir verlieren, war es für mich schwer, mich auf die letzten Löcher zu konzentrieren. Schließlich spielst du am Ende des Tages doch nur für dich, hoffst, deinen Punkt zu bringen.“ (golftime.de, Kaymer resümiert, 3.10.16). Dass positive Emotionen dem eigenen Aktionsniveau zuträglich sind, wissen manche von Kaymers Mit- und Gegenspielern sehr wohl zu nutzen. Während Patrick Reed der emotionalste Spieler des US-Teams beim Ryders Cup war, wurde Rory McIlroy zum emotionalen Antreiber des europäischen Teams: Als McIlroy auf der 170 Meter langen 8 aus zehn Metern erneut einen Birdie landete, animierte der Nordire die US-Fans mit seinem Ruf „Ich kann euch nicht hören!“ zum frenetischen Jubel. Reed zeigte daraufhin beim erfolgreichen Konter seine Emotionen, indem er schrie, die Fäuste hochreckte und ebenfalls Applaus erntete. Solche Momente der Hochstimmung setzen Hormone im Körper frei, die uns beflügeln.

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Mentale und emotionale Stärke sind kein Zufallsprodukt: Emotionen als mentaler Treibstoff

Es ist ein Trugschluss, zu glauben, wir seien unseren Gefühlen hilflos ausgeliefert. Emotionale Kontrolle ist beim Golfen eine Schlüsselqualifikation. Schließlich haben unsere Emotionen nicht nur einen starken Einfluss auf unsere Leistung, sondern auch auf unseren Umgang mit Flightpartnern und Ereignissen auf dem Platz. Gefühle, Verhalten, Körper und Kognitionen (Gedanken) beeinflussen sich gegenseitig.

Machen Sie sich klar, wann Sie aus dem seelischen und/oder körperlichen Gleichgewicht kommen. Wer diesen Moment bewusst wahrnimmt, hat die Chance, aktiv gegenzusteuern. Je mehr Sie im Gleichgewicht sind, emotional, mental und physisch, desto flexibler und selbstbewusster können Sie auf Stresssituationen reagieren.

Emotionen – eine Frage der richtigen Mixtur

Quelle: antje-heimsoeth.com

Emotionen sind das Ergebnis von Hormonausschüttungen. Und diese lassen sich gezielt auslösen. Stellen Sie sich vor, in Ihrem Kopf säße ein Barmixer, der Ihre Körpersäfte je nach Anforderungen zusammenmixt. Ihr Barkeeper ist von Umweltreizen abhängig und wird manchmal auch von falschen oder unerwünschten Reizen beeinflusst – so wie ein unangenehmer Sitznachbar am Tresen. Mentaltraining hilft ihrem Barkeeper dabei, den richtigen Mix der Körpersäfte für die jeweilige Situation zusammenzustellen. Stimmt das Rezept, sind Sie energetisch, rational und emotional im gewünschten Zustand. Die richtigen Zutaten dafür können Sie Ihrem Barkeeper selbst liefern.

Mentale und emotionale Stärke durch das Abrufen von Erfolgserlebnissen

Die Auseinandersetzung und Aufarbeitung von Gefühlszuständen ist ein wichtiges Mittel der Emotionskontrolle. Wenn Sie merken, wie Sie emotional ins Wanken geraten, z.B. durch Lampenfieber, Wut oder Enttäuschung nach einem verpatzten Schlag, kann das Heraufbeschwören vergangener Erfolgserlebnisse helfen. Wenn Sie die damit verbundenen positiven Gefühle wieder wachrufen, können Sie damit aufkommende negative Emotionen kontrollieren. Das hilft Ihnen, konzentriert und gelassen zu bleiben.

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Atmen Sie sich frei!

Jede Emotion hat ihr eigenes Atemmuster. Bei Wut atmen wir verstärkt ein und aus, kräftige Atemzüge folgen schneller aufeinander, die Atempause verschwindet, das Atmen wird unregelmäßig. Bei Angst wird die Atmung schneller. Da unsere Stimmung sehr von unserer Atmung abhängt, können wir durch Beeinflussung unserer Atmung auch unsere Stimmung beeinflussen.

Langsames, gleichmäßiges Ein- und Ausatmen bis in den Bauch hilft, uns zu beruhigen. Das Ausatmen ist länger als das Einatmen. Trainieren Sie die Atmungskontrolle abseits des Platzes. So lernen Sie, Ihre Atmung in Stresssituationen (auf dem Golfplatz) zu kontrollieren und darüber auch Ihre Emotionen zu regulieren.

Schlechter Schlag – na, und? Abhaken und weitermachen!

Jeder verschlägt mal einen Ball im Golf. Doch vom Umgang damit hängt es ab, ob daraus eine Serie wird. Verurteilen Sie sich für einen misslungenen Schlag, werden ihm weitere folgen, weil Sie eine emotionale Abwärtsspirale bei sich in Gang setzen. Hilfreicher wäre es, eine Haltung einzunehmen, die schlechte Schläge akzeptiert – als Teil des Spiels, nicht als Ausdruck Ihres Unvermögens. Auch Golfprofis verfehlen mal das Fairway. Jeder Ärger, den Sie hier empfinden, beeinflusst Ihre Stimmung und Ihre Konzentration. Wenn Sie im Grübeln darüber verharren, warum der Schlag danebenging, bewegen Sie sich gedanklich in der Vergangenheit. Damit verlieren Sie Ihren Fokus aufs Hier und Jetzt.

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Natürlich lassen sich Rückschlüsse aus solchen Schlägen ziehen, die Ihnen weiterhelfen. Aber mit der Analyse sollten Sie sich bis nach Ihrer Golfrunde Zeit lassen. Während des Spiels gilt es, eine positive Haltung zu bewahren, die Sie emotional stabil bleiben lässt:

  • Versuchen Sie, sich sofort darauf zu konzentrieren, was Sie gut gemacht haben. Sind Sie Ihrer Pre-Shot-Routine treu geblieben? War die Schlägerwahl richtig?
  • Legen Sie sich eine Abschlussgeste zu, die das Ende einer jeden Pre-Shot-Routine markiert, z.B. ein tiefes Durchatmen oder Sie verbinden es mit dem Zurückstecken des Schlägers ins Bag.
  • Die genaue Analyse verschieben Sie auf die Zeit nach der Runde!

Verwendete Literatur:

Heimsoeth, A. Golf mental: Erfolg durch Selbstmanagement, pietsch, 2014, S. 57-68.
Heimsoeth, A. Sportmentaltraining. pietsch, 2015, S. 129-135.
MacKenzie, D. Game improvement Training system, 2016, Lection 5.

Quelle: antje-heimsoeth.com

Über die Autorin

Antje Heimsoeth, Diplom-Ingenieurin (FH), Coach, ECA und DVNLP, zert. Mental Coach, Golf Fitnesscoach, Gesundheitstrainerin, ECA Sport Coach (Master Competence), zert. Entspannungspädagogin, zert. Business Coach und Top-Speakerin mit mentalem Olympiafaktor: Go for Gold! mit eigenem Institut Heimsoeth Academy, ausgezeichnet als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ und „Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin“ (FOCUS).
Weltweit tätig. Auftritte bei Sport1, hamburg1, nrw.tv, BR (Blickpunkt Sport) und Sky sowie auf Kreuzfahrtschiffen (MS Europa 2, AIDA). Bestsellerautorin, zuletzt erschienen: „Chefsache Kopf“. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz“. Springer Gabler, 2015. Infos unter www.heimsoeth-academy.com, www.antje-heimsoeth.com

Ihr Antje Heimsoeth

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