Rückblick auf den Presidents Cup

Der "kleine Bruder" vom Ryder Cup

Heute werfen wir auf eine Großereignisse im Herrengolfsport einen Rückblick. Der Presidents Cup, der Vergleich der USA mit einem internationalem Team, steht auf dem Programm.

Mit dem geteilten 15. Loch geht Daniel Berger Dormi 3 auf die letzten drei Löcher und hat den entscheidenden halben Punkt sicher, der Team USA zum zehnten Sieg in der zwölften Austragung führt. Am Ende gewinnt Berger sein Match gegen Si Woo Kim (KOR) mit 2&1. Es war einer von 4,5 Punkten am Sonntag für die Amerikaner, die nur vor Beginn der Einzel nur noch einen Punkt benötigten, um den Cup erfolgreich zu verteidigen.

Der Presidents Cup 2017

Das Endergebnis von 19 zu 11war das höchste Ergebnis seit 2000, als die Amerikaner mit 21,5 zu 10,5 dominierten; und der dritthöchste Vorsprung in der Geschichte des Presidents Cup. Nachdem sich die Internationals in den vergangenen Austragungen sukkzessive den Amerikanern angenähert hatten, war die 2017er Austragung eine Zurschaustellung der Stärke des amerikanischen Teams. Mit einem ähnlichen Auftritt kann sich Team Europa beim kommenden Ryder Cup in Paris warm anziehen.

Wichtig für das Team um Nick Price war allerdings ein würdevoller Abschluss eines Presidents Cup, bei dem sie vom ersten Tag an kein Land gesehen hatten. Gerade einmal 3,5 Punkte hatten sie vor den Einzeln gesammelt. Am Sonntag verdreifachten sie mal eben ihre Punkteausbeute mit 7,5 Punkten in den Einzeln. Sie müssen nicht wie geschlagene Hunde abziehen – auch wenn es das Ergebnis vermuten lassen würde, sondern können sich mit erhobenem Haupt vom Presidents Cup verabschieden.

Am Sonntag zeigten Team International das, was man in den Tagen zuvor vermisst hatte: Kampfgeist und unbedingten Siegeswillen. Plötzlich lag eine ganz andere Spannung in der Luft. Vom ersten Schlag an waren die Internationals bis in die Haarspitzen motiviert und wollten sich nicht einfach kampflos geschlagen geben. Neben dem gewonnen Punkt durch Hideki Matsuyama (JPN; 3&1) gegen einen der besten Spieler des Jahres, Justin Thomas, waren es vor allem die Siege von Louis Oosthuizen (RSA, 1 auf gegen Patrick Reed) und Adam Scott (AUS, 3&2 gegen Brooks Koepka), die Respekt abverlangen. Beide lagen in ihren Matches zur Halbzeit zurück, ließen aber nicht nach und entschieden die Partien noch für sich.

Auch Branden Grace (RSA) sah sich in Dustin Johnson einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber. Doch der kompakte Südafrikaner biss sich wie ein Terrier an der Nummer eins der Welt fest und gewann die 17, um das Match auf die 18 zu verlängern, wo er einen halben Punkt für die Internationals gewann. Natürlich war zu diesem Zeitpunkt der höchste Punkt des Spannungsbogens längst vorbei, die Entscheidung war gefallen und die Amerikaner mit dem Kopf vielleicht schon mehr bei der anstehenden Siegesfeier als bei der Kür auf dem Platz. Absichtlich verlieren wollten sie aber mit Sicherheit nicht. Dafür sind sie zu sehr Vollblutsportler und wurden von den Fans zu lautstark unterstützt, um nur mit halbem Herz zu Werk zu gehen

Neben dem Sieg von Berger konnten nur noch Phil Mickelson (2&1 gegen Adam Hadwin, CAN) und Rickie Fowler (6&4 gegen Emiliano Grillo, ARG) in den letzten beiden Paarungen volle Punkte auf das Konto der Amerikaner bringen. Mit der geschlossenen Teamleistung der Internationals am Sonntag kann man sich als Golffan auf die kommende Austragung in zwei Jahren deutlich mehr freuen, als es die ersten Tage vermuten ließen. Die Internationals müssen nur einen Weg finden, auch in den Vierern ihre Stärken zeigen zu können. Dann könnte der Presidents Cup sein Schattendasein als kleiner Bruder des Ryder Cups zwar nicht zur Gänze ablegen, aber zumindest abschwächen.

Die Golfregeln sind da, um in strittigen Situationen das Spiel einfacher zu machen. Doch in einigen Ausnahmen bewirken sie das Gegenteil. Auch wenn der gesunde Menschenverstand zu etwas anderem rät, stehen die Golfregeln noch einmal über ihm. Beim Presidents Cup 2017 erleben Jordan Spieth und das US-amerikanische Team einen Fall, bei dem sich sogar die Gegner auf ihre Seite schlagen. Doch die Regel bleibt und Spieth verliert das Loch.

Die Highlights




Das Ereignis beim Presidents Cup

Auf dem, vom Abschlag erreichbaren, 12. Loch warten Spieth und sein Mitspieler Patrick Reed auf die zweiten Schläge ihrer Kontrahenden Jason Day und Louis Oosthuizen. Nachdem Day seinen Pitch von der Vorderkante des Grüns tot an den Stock gelegt hatte und von den Amerikanern zum Birdie geschenkt wurde, war es an Oosthuizen, seinen Eagle-Putt zu spielen.

Mit dem Wissen, dass sie als Team das Birdie sicher haben, konnte der Südafrikaner etwas aggressiver ans Werk schreiten. Sein Putt raste am Loch vorbei und rollte das Gefälle dahinter hinunter, als Spieth den Ball mit seinem Putter aufhält und Oosthuizen zuwirft. In diesem Moment schaltet sich der Regeloffizielle Andy McFee ein und verhängt den Lochverlust für Spieth und Reed. Schnell war er von einer Menschentraube aus Spielern beider Teams sowie Kapitänen und Co-Kapitänen umringt und in eine heftige Diskussion verwickelt.

Das Ergebnis

McFee entschied, dass Spieth gegen Regel 1-2 (Beeinflussung der Bewegung des Balls oder Abänderung physischer Bedingungen) verstoßen hat, was den automatischen Lochverlust nach sich zieht. In der Regel heißt es, dass „kein Spieler (I) eine Handlung mit der Absicht durchführen darf, die Bewegung eines Balls im Spiel zu beeinflussen“.

Ganz nüchtern betrachtet hat Spieth gegen diese Regel verstoßen, als er den Ball mit dem Putter aufgehalten hat. „Ich habe ihn nur aufgehalten, weil unsere Fans den Ball angefeuert haben, weiter vom Loch wegzulaufen. Ich wollte sie nur zum Schweigen bringen“, sagte Spieth. „Der Putt hätte doch sowieso nichts geändert.“ Immerhin hatten die Internationals bereits das Birdie von Day sicher.

Doch McFee hat die Situation so ausgelegt, dass der Ball theoretisch noch über eine Welle zurück zum Loch hätte rollen können, wodurch Spieth den Internationals die Chance auf ein mögliches Eagle zunicht gemacht hätte. Allerdings rollte der Ball einen Hang hinunter und nicht einen Gegenhang hinauf und hätte den Gesetzen der Physik widersprechen müssen, um noch zurück zum Loch zu kommen.

Nichtsdestotrotz blieb der Lochverlust für das amerikanische Team offiziell, McFee hatte als Regeloffizieller bereits eine Entscheidung getroffen. Zurücknehmen ist nicht. Die Internationals gingen, wenn auch etwas widerwillig, mit 1 auf in Richtung des 13. Abschlags, verloren das Match aber noch mit 2&1.

Bevor jetzt empörte Anrufe bei European Tour Chief Referre McFee eingehen: Er hat sich strikt an die Regeln gehalten. Die Entscheidung mag mit dem gesunden Menschenverstand strittig sein, hält aber jeder genaueren Überpfüng durch einen Regelausschuss stand. Der Ball war in Bewegung und wurde in dieser von Spieth absichtlich aufgehalten, was eine Strafe nach Regel 1-2 nach sich zieht.

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Euer Lefty Stephan

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